Überlegungen vor dem Bau

Gründe für den Selbstbau

Warum soll ich heute, wo es alles zu kaufen gibt, etwas selber machen?

Die Kurzfassung

Was du mir sagst, vergesse ich

Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich

Was du mich tun lässt, das verstehe ich

Konfuzius

 

Etwas ausführlicher

  • Es erweitert mein Wissen und meine Fertigkeiten
  • Es ermöglicht es mir, Dinge genau so zu gestalten und zu bekommen, wie ich sie brauche und haben möchte
  • Es ermöglicht es mir, hochwertiges Material genau da zu verwenden, wo es mir notwendig erscheint
  • Es erlaubt mir, genau die Ausführungsdetails und die Qualität zu bekommen, die ich haben möchte
    Ein gut gebautes Wasserfahrzeug aus Holz und Epoxid hat oft eine höhere Lebensdauer als ein entsprechendes Fahrzeug aus Kunststoff. Es steht einem solchen ausserdem weder in Betracht auf Robustheit noch auf Strapazierfähigkeit irgendwie nach.
  • Es macht doppelt Freude
    Bei der Herstellung
    Etwas zu machen ist interessanter und wesentlich befriedigender, als es einfach zu kaufen, um es zu haben
    Bei der Benutzung
    Das Gefühl, zum Beispiel ein selbst gebautes Boot über einen See zu rudern oder zu paddeln, ist mit nichts anderem zu vergleichen und es verschafft ein lang anhaltendes Erfolgserlebnis.
  • Es spart möglicherweise etwas Geld
    Was Sie beim Selbstbau gegenüber einem gekauften Produkt einsparen können, sind die Kosten für Arbeit, Marketing, Vertrieb und den (meistens sehr bescheidenen) Gewinn des Herstellers. Da aber alle kommerziellen Hersteller ihre Boote in Serie und – damit sie überhaupt etwas damit verdienen können – sehr effizient bauen, sollte man die Einsparmöglichkeiten nicht überschätzen.

Erfolgsfaktoren

Ich möchte keinesfalls einen zukünftigen Selbstbauer entmutigen, im Gegenteil.

Aber einige grundsätzliche Überlegungen zu Beginn eines solchen Projekts sind hilfreich, um das Vorhaben auch erfolgreich abzuschliessen. Das hat nicht zuletzt auch einen finanziellen Aspekt: Halbfertige Produkte lassen sich nur sehr schwer oder überhaupt nicht verkaufen und das investierte Geld ist dann meist verloren.

Es gilt zu überlegen

  • was will ich als Ergebnis haben?
    Es ist wichtig zu definieren, was man genau haben möchte.
    Für jemanden, der noch nie so etwas selbst gebaut hat, ist zum Beispiel die Herstellung eines Paddels ein guter Anfang. Mit den dabei gewonnen Kenntnissen kann man dann ein kleines Boot oder ein Board bauen. Die hochseetüchtige Yacht kommt etwas später …
  • habe ich die erforderlichen Kenntnisse?
    Es hat sich erwiesen, dass auch Leute mit zu Beginn geringen handwerklichen Fähigkeiten sehr schöne Ergebnisse erzielen können. Sie brauchen dafür einfach länger als jemand, der wirklich sehr gute Kenntnisse und Fertigkeiten hat. Ausschlaggebend für den Erfolg sind vor allem die zwei nachfolgend aufgeführten Punkte.
  • habe ich Geduld und Ausdauer?
    Erfolgreicher Selbstbau setzt voraus, dass ich die Geduld aufbringe, für mich Neues gründlich zu studieren und zu verstehen. Bei der Auführung ist dann Ausdauer gefragt. Es gibt beim Bau immer wiederkehrende Tätigkeiten, die nicht besonders attraktiv erscheinen. Es kann hart sein, an einem Boot oder Board tagelang zu schleifen. Aber wenn man das Ergebnis vor Augen hat – zum Beispiel einen wohlgeformten Rumpf ohne Dellen und Beulen oder eine hochglänzende Oberfläche ohne jeden Makel – dann hält man so einiges aus.
  • bin ich bereit, Fehlschläge zu akzeptieren und zu korrigieren?
    Es ist nicht wichtig, keine Fehler zu machen – sie sind unvermeidlich. Ausschlaggebend ist, wie ich damit umgehe. Sobald die erste Frustration überwunden und die Ursache des Fehlers gefunden ist, schmeisse ich das fehlerhafte Teil weg und baue es neu und besser. Das kann im Extremfall – der zum Glück nur sehr selten vorkommt – den Verlust von mehreren Wochen Arbeit oder gar des ganzen bisherigen Bauergebnisses bedeuten.
  • wieviel Zeit kann und will ich investieren?
    Der Bau eines Boards oder eines Boots erfordert Zeit – viel Zeit. Die fehlt einem dann möglicherweise für die Familie oder um surfen, paddeln oder segeln zu gehen. Zeitliche Angaben von Bausatzverkäufern oder Buchautoren für den Bauaufwand sind mit Vorsicht zu geniessen. Sie wollen keine Kunden abschrecken, sondern ihre Produkte verkaufen. Wenn der angegebene Aufwand mit 1,5 multipliziert wird, ist man eher auf der sicheren Seite. Eigene Modifikationen oder sehr hohe Ansprüche an die Qualität des Ergebnisses können den Bauaufwand aber auch problemlos verdoppeln.
  • habe ich einen zum Bauen geeigneten Raum?
    Es ist möglich, aber nicht ideal, ein Board oder ein Boot im Freien oder im eigenen Wohnzimmer zu bauen. Bessere Voraussetzungen bietet ein Raum, der hell, trocken, im Winter gerne beheizbar, gut belüftbar und gross genug ist, dass man ohne Verrenkungen um das ganze Produkt herumgehen kann, auch wenn es einmal seine gesamte Grösse hat. Gut erreichbare Ablagen für Material wie Holz, Epoxid, Glasgewebe, Leim und Werkzeuge erleichtern die Arbeit ungemein. Die schnelle und einfache Erreichbarkeit kann wesentlich dazu beitragen, dass man zügig vorankommt.
    Und nicht zuletzt sollte man darauf achten, dass der Raum eine Öffnung hat die gross genug ist, dass man das fertige Produkt durch sie ins Freie schaffen kann. Ihr Boot wird sonst ein permanenter Bestandteil Ihrer Einrichtung …
  • habe ich die für den Bau erforderlichen Werkzeuge?
    Was man für den Bau braucht, hängt sehr stark vom gewählten Projekt ab. Ein Groenlandpaddel kann man mit einer Handsäge, einem kleinen Handhobel und etwas Schleifpapier herstellen. Für den Bau eines Groenlandkajaks braucht man zusätzlich eine Bohrmaschine, verschiedene Bohrer, ein bis zwei Stechbeitel, einen Hammer, ein Messer und eine Nähnadel.
    Generell lässt sich sagen, dass sich sehr viel mit einfachen Handwerkzeugen herstellen lässt – es ist nur mühsamer als mit einer für einen bestimmten Zweck spezialisierten Maschine und es dauert auch länger. Der Werkzeug- und Maschinenpark wächst mit der Bauzeit. Man kauft sich einfach nach und nach das dazu, was man sich wünscht, um die Arbeit zu erleichtern.
  • wieviel Geld kann und will ich ausgeben?
    Ich lege fest, was ich für das von mir gewünschte Produkt ausgeben möchte. Eine sorgfältige Kostenaufstellung zeigt, ob die veranschlagte Summe dafür ausreicht. Es ist ratsam, soweit irgend möglich alles einzubeziehen, was einem dazu einfällt. Beispiele dafür sind Pläne, Fachliteratur, Bauanleitungen, das Material, Werkzeuge, Maschinen, Raummiete, Raumnebenkosten (z.B. Heizung und Beleuchtung), Arbeiten von Dritten (man kann und will nicht immer alles selber machen) und anderes mehr.
    Wer sein Boot selber baut, bekommt wahrscheinlich mehr für sein Geld. Das betrifft die Freiheit des Entwurfs, die Materialauswahl, den Innenausbau und den endgültigen Finish.
  • zahlt sich das aus?
    Falls Sie Ihr Erzeugnis einmal verkaufen möchten, dann sollten Sie sich in Bezug auf den möglichen Ertrag keine Illusionen machen: Viele Käufer sind zwar bereit, für Boote von bekannten Werften sehr viel Geld auszugeben – für selbst gebaute Wasserfahrzeuge trifft das aber kaum zu. Wenn Sie viel Glück haben, kann es sein, dass Sie bei einem Verkauf – aber nur dann, wenn Sie wirklich absolut professionell und mit sehr hoher Qualität gebaut haben – wenigstens Ihre Investitionen in das Material zurückbekommen.

Auswahl

Das Angebot an Wasserfahrzeugen für Selbstbauer ist nahezu unüberschaubar.
Hier einige Überlegungen zur Wahl des für Sie richtigen Fahrzeugs.
Ausschlaggebend sind Ihre Antworten auf folgende Fragen (die Liste ist nicht abschliessend):

  • Wie will ich es antreiben?
    Ruder, Paddel, Stechpaddel, Segel, Motor …
  • Was will ich damit tun?
    Tagesausflüge machen, wochenlange Touren unternehmen, Fitness fördern, Spass haben, Rennen fahren, Campieren, Fischen, Rudern, Paddeln, Segeln, eine Kombination aus verschiedenen Antriebsarten …
  • Benutze ich es allein, zu zweit oder mit der Familie?
    Baue ich ein grosses Boot, dann kann das Jahre dauern. Möglicherweise sind die Kinder bei der Fertigstellung dann schon ausser Haus …
  • Wo will ich es benutzen?
    See, Fluss, Wildwasser, Meer …
  • Bei welchen Wetterbedingungen will ich es benutzen?
    Schönwetter, Regen, Sturm …
  • Wo will ich es lagern?
    Zu Hause, an einem Gewässer, in einem Gewässer
  • Wie will ich es lagern?
    An Land, im Wasser (Liegeplätze können nur schwer zu bekommen und ziemlich teuer sein)
    Wettergeschützt oder im Freien
  • Wie will ich es transportieren?
    Je nach Lagerort muss das Wasserfahrzeug zum Wasser und auch wieder zurück gebracht werden.
    Es ist wichtig zu wissen, wie oft, wie weit und womit ich das tun möchte. Das Gewicht und die Grösse des Wasserfahrzeugs sind dabei von Bedeutung. Grosse Boote brauchen zum Ein- und Auswassern möglichwerweise einen Kran.
  • Wieviel darf der jährliche Unterhalt kosten?
    Wenn Sie Ihr Wasserfahrzeug selbst gebaut haben, dann können Sie das allermeiste daran auch selber reparieren, was die Unterhaltskosten für die Arbeit erheblich reduziert. Das gilt aber nicht für das für den Unterhalt benötigte Material. Ihr Wasserfahrzeug kann zudem Bestandteile haben (z.B. Segel, Beschläge, Motorantrieb usw.), die Unterhaltsaufwand durch Dritte verursachen können.
  • Ist eine Zulassung erforderlich?
    Bestimmte Wasserfahrzeuge müssen amtlich abgenommen, zugelassen und mit einer Immatrikulation versehen sein. Ob das der Fall ist, hängt vom Bootstyp und vom Antrieb ab. Die entsprechenden Gebühren sollten in bei der Wahl berücksichtigt werden.
    In der Schweiz benötigen einige Bootstypen keine Zulassung.
  • Verwende ich ein eigenes Design?
    Wenn Sie selbst bauen, dann möchten Sie natürlich Ihr ganz spezielles und persönliches Boot haben. Die Versuchung ist deshalb gross, Ihr Boot selbst zu entwerfen. Mein kurzer und eindringlicher Rat dazu: Tun Sie es nicht! 

    Wenn Sie nicht über jahrelange Erfahrung und ein gerütteltes Mass an Wissen auf dem Gebiet des Bootbaus und des Bootdesigns verfügen, dann ist das Ergebnis in den meisten Fällen zwar ein  schwimmendes Objekt, aber nur selten ein wirklich gutes Boot.Wenn Sie aber trotzdem und auf jeden Fall einen eigenen Entwurf realisieren wollen, dann beauftragen Sie einen guten Bootsdesigner oder Bootbauarchitekten damit, das für Sie zu tun. Ideal ist es, wenn er für Sie auch die Baupläne, eine Materialliste und einen groben Bauablaufplan erstellt. Der Weg vom Design (der Form) zum Bauplan ist lang, sehr zeitraubend und er erfordert gute Kenntnisse beim Ausarbeiten einer Konstruktion. Mit diesem Vorgehen ersparen Sie sich endlose Stunden an Arbeit beim Studieren von Designanleitungen und Handbüchern, beim Zeichnen von Hand oder am Computer und nicht zuletzt auch das hinausgeschmissene Geld für ein Produkt, das am Ende doch nicht so funktioniert, wie Sie es sich eigentlich vorgestellt haben.

    Sie können aber auch einen Ihren Vorstellungen nahe kommenden Plan oder Bausatz so verändern, dass Sie ganz genau das bekommen, was Sie haben wollen. Das setzt allerdings voraus, dass Sie sich vorher eine gewisse Erfahrung im Bootbau angeeignet haben und wirklich ganz genau wissen, was Sie tun. Jedes ordentliche Boot wurde von seinem Designer für einen bestimmten Einsatzzweck optimiert. Ein Boot ist ein dreidimensionaler Körper. Grössere Veränderungen an den Abmessungen, der Grösse, am Material oder der Struktur eines Boots können dessen Sicherheit, Fahreigenschaften und Festigkeit  soweit beeinträchtigen, dass es im Gebrauch gefährlich oder völlig unbrauchbar wird.

  • Plan oder Bausatz?
    Sie können nahezu jedes Boot allein aufgrund von Plänen bauen. Viele davon gibt es im Massstab 1:1 für die wichtigsten Teile.
    Gute Baupläne enthalten eine vollständige Materialliste und einen Baubeschrieb. Planbauer sollten aber daran denken, dass die Beschaffung bestimmter vom Designer vorgesehener Materialien (z.B. 3 mm dickes Bootsbausperrholz) sich als Problem oder gar als unmöglich erweisen kann.Bausätze beschleunigen die Bauzeit, und sie verbessern – wenn sie wirklich gut sind – die Qualität. Sie bekommen die entweder als vollständigen Bausatz mit sämtlichen Teilen und Materialien und einer detaillierten Bauanleitung oder als Teilbausätze, z.B. nur mit den zum Bau erforderlichen  Spanten.

    Teilbausätze (sogenannte Wood Only Kits) enthalten nur die wichtigsten Bauteile wie z.B. Spanten oder Planken in fertig zugeschnittener Form. Solche Teile – Planbauer übertragen sie von den Plänen auf das Holz und sägen sie dann selber zu – werden heute in der Regel sehr genau mit computergesteuerten Fräsmaschinen hergestellt. Man erspart sich mit solchen Teilbausätzen eine Menge von sehr anspruchsvoller und zeitraubender Arbeit. Wegen der sehr effizienten industriellen Fertigung in grossen Stückzahlen kosten sie meist auch nicht wesentlich mehr als das reine Material für diese Teile.

    In allen Bausätzen fehlen in der Regel nur die Werkzeuge, das Verbrauchsmaterial für den Bau und die Lacke zur Fertigstellung. Abhängig vom Lieferland kann es aufgrund von intgernationalen Versandmöglichkeiten auch sein, dass Flüssigkeiten wie Harz und Härter nicht enthalten sind.

Bau

  • Studieren Sie die Pläne
  • Lesen Sie alles
  • Nehmen Sie sich Zeit
  • Seien Sie geduldig
  • Seien Sie ausdauernd
  • Seien Sie tolerant mit sich selbst
    Akzeptieren und korrigieren Sie Ihre Fehler sofort, nachdem Sie sie festgestellt haben
    Unkorrigierte Fehler lähmen den Arbeitsfortschritt.
  • Sparen Sie NIE am Werkzeug!
    Schlechtes Werkzeug ist eine sichere Quelle andauernden und nie versiegenden Ärgers.
  • Sparen Sie NIE am Material!
    Ihre Arbeit und die von Ihnen dafür aufgewendete Zeit sind wertvoll. Beeinträchtigen Sie nie das Ihnen maximal mögliche Ergebnis mit billigem Material. Es lohnt wirklich nicht.

 

Bauen nach Plan

Aufgrund von eigenen eher unerfreulichen Erfahrungen muss ich heute leider feststellen, dass noch lange nicht alle der angebotenen Pläne oder Bausätze wirklich gut sind.

Ob die Offsets wirklich korrekt sind, kann man mit einem einfachen Trick prüfen.
Zeichnen Sie die Punkte für jede am Boot längs verlaufende Linie mit den Massen aus der Offset-Tabelle auf ein Blatt Papier. Die Höhen ab Null-Line im Massstab 1:1, die Längsabstände im Massstab 1:10. Verbinden Sie diese Punkte mit einem biegsamen Lineal und zeichnen Sie damit die Linie. Jetzt sind alle Linienverläufe und allfälligen Fehler im Linienverlauf gut zu sehen. Sind die Linien in Ordnung, dann haben Sie die Form einer leicht geschwungenen Kurve ohne irgendwelche Buckel oder Beulen. Ist das nicht der Fall, dann hat wahrscheinlich der Designer entweder beim Zeichnen, beim Abwickeln des Bootskörpers oder beim Erstellen der Offset Tabelle gepfuscht. Buckel oder Beulen an den Längslinien ergeben IMMER Buckel oder Beulen am Rumpf. Das resultiert in einem  unschönen Boot mit einer welligen Oberfläche oder welligen Kanten. Solche Fehler können am fertigen Boot NICHT korrigiert werden.
Meine Empfehlung: Lassen Sie die Finger von  solchen Plänen!

Hat keine Linie einen oder mehrere der erwähnten Fehler, dann zeichnen Sie die Offset-Punkte – abhängig von der Bautechnik –  entweder für die Spanten oder die Planken 1:1 auf das Sperrholz. Sie können dazu entweder 1:1 Ausdrucke des Plans oder – falls der Hersteller die ebenfalls liefert – die Angaben in der Offset Tabelle. Insbesondere beim Zeichnen von langen, schmalen Planken für ein Stitch-and-Glue Boot sollten Sie immer und nur die Offset-Punkte verwenden. Papierschablonen verziehen sich wegen der Feuchtigkeit und in der Längs- und Querrichtung, und sie sind für das millimetergenaue Aufzeichen der auszuschneidenen Teile viel zu ungenau. Verbinden Sie dann diese Punkte mit einer dünnen, biegsamen Latte und zeichnen Sie die Konturen der Spöanten oder die Plankenränder an. Schneiden Sie alle Teile so genau wie irgend möglich. Für lange Planken geht das am Besten mit einer kleinen Kreissäge. Stichsägen sind für das wirklich genaue Schneiden von sanft gebogenen Kurven eher ungeeignet. Für Spanten kann man eine Stichsäge oder eine Bandsäge verwenden. Es empfiehlt sich dann allerdings, die Spanten etwas grösser als gezeichnet auszuschneiden und dann mit einer Schleifmaschine oder von Hand auf das genaue Mass zu bringen.

Nur absolut präzis geschnittene Teile ergeben ein sauber strakendes und damit auch gut aussehendes Boot.

Bauen mit Bausatz

Wenn Sie sich die mühselige Arbeit des genauen Aufzeichnens und Ausschneidens der Bauteile ersparen wollen, ist der Kauf eines Bausatzes eine gute Wahl. Nebst der grossen Zeitersparnis ersparen Sie sich die Beschaffung des Baumaterials, und Sie haben auch eine gewisse Gewähr, dass alle Teile zuzsammenpassen.

Gute Hersteller schneiden ihre Spanten und ihre Planken heute auf hochpräzischen, computergestuerten Fräsmaschinen. Das ist effizient, kostengünstig und äusserst genau.

Stitch-and-Glue
Prüfen Sie die fertig geschnittenen Planken. Wenn der Zeichner der Planken gepfuscht hat, dann kann auch dann das Ergebnis fehlerhaft sein. Bevor Sie einen Bausatz kaufen, schauen Sie sich deshalb die Planken an. Wenn Sie längs über den Plankenrand peilen, dann sehen Sie, ob diese Kante Beulen oder Dellen aufweist. Das ergibt im Endergebnis ein Boot mit welligen Plankenstössen. Das kann am fertigen Boot NICHT korrigiert werden.
Meine Empfehlung: Lassen Sie die Finger davon!

Bauweise Stitch-and-Glue

Bei dieser Bauweise ist nebst der Verwendung des richtigen Materials die Korrektheit der Planken-Abmessungen und die Präzision der Zuschnitte für das Gelingen des Werks der wichtigste Erfolgsfaktor. Da bei der Stitch-and-Glue Bautechnik oft auf ein Baugerüst (die sogenannte Helling) verzichtet wird, definieren die wirklich korrekten Abmessungen (IMMER gemäss Offset-Tabelle selber auf das Sperrholz zeichnen, Papierschablonen im Massstab 1:1 verziehen sich sind damit viel zu ungenau) und das äusserst genaue Zuschneiden der Planken das Aussehen und die korrekten Linien des Boots.

Ausschneiden geht am Besten mit einer kleinen Kreissäge. Stichsägen sind für das wirklich genaue Schneiden von sanft gebogenen Kurven eher ungeeignet. Nur absolut präzis geschnittene Teile ergeben ein sauber strakendes und gut aussehendes Boot.

Kosten

Sparen Sie NIE am Material. Sie werden zahlreiche Stunden für den Bau Ihres Wasserfahrzeugs aufwenden. Erstklassiges Material ist die zwingende Voraussetzung für ein befriedigendes Ergebnis. Das gilt sowohl für Bücher, Pläne und Beschreibungen als auch für alle Baumaterialien, Harze, Kleber, Hilfsmaterialien und nicht zuletzt auch für Bootslacke mit UV-Schutz.

Ihr Erzeugnis dankt es Ihnen mit seinem tollen Aussehen, seinem problemlosen Funktionieren und einer langen Lebensdauer.

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein …
Jedermann, der gute Arbeit leistet, hat ein Anrecht auf eine angemessene Entschädigung dafür. Was jeder von uns für sich selbst in Anspruch nimmt, gilt natürlich auch und immer für all die Leute, die unzählige Stunden an Arbeit und auch erhebliche Kosten für Einrichtungen für die Erstellung von Büchern, Beschreibungen, Plänen oder Bausätzen für gute Wasserfahrzeuge aller Art investiert haben.
Es ist darum Ehrensache, Bücher, Pläne und Beschreibungen zu kaufen, dem Designer die von ihm verlangte Lizenzgebühr zu bezahlen und urheberrechtlich geschütztes Material nie ohne die ausdrückliche Genehmigung des Urhebers zu kopieren und kostenlos an andere weiterzugeben. Ich denke, wir verstehen uns …

Wie baue ich …

Ich veröffentliche hier in loser Folge Anleitungen für den Selbstbau bestimmter Bootsteile. Ihre Rückmeldungen zu diesen Dokumenten und alle Verbesserungsvorschläge sind mir hoch willkommen.

bau-methoden_steven (.pdf, 1 MB)

 

 

Und nun wünsche ich Ihnen lehrreiche Stunden beim Bauen und viel Freude am Ergebnis!

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