Auswahl

Welches Boot soll gebaut werden?

Sie haben sich entschieden: Sie wollen ein Boot bauen. Aber welches soll es denn sein?
Es gibt viele Möglichkeiten der Wahl, abhängig von Ihrem Temperament, aber in der Praxis müssen Sie ein paar Fragen beantworten. Daraus ergeben sich die Kriterien für Ihr Bootsbauprojekt. Einige grundsätzliche Überlegungen zu Beginn eines solchen Projekts sind hilfreich, um das Vorhaben erfolgreich abzuschliessen. Das hat nicht zuletzt auch einen finanziellen Aspekt: Halbfertige Produkte lassen sich nur sehr schwer oder überhaupt nicht verkaufen und das investierte Geld ist dann meist verloren. Wenn Sie die nachstehenden Fragen ehrlich beantworten, dann erhöhen Sie Ihre Erfolgsaussichten enorm.

Grundlegende Fragen

  • Warum will ich ein Boot bauen?
    Wenn Sie ein Boot bauen wollen, weil es billiger ist, werden Sie überrascht sein, dass Sie Boote sehr günstig auf den verschiedensten Internet-Plattformen kaufen können. Normalerweise billiger, als man bauen kann. Am Ende der Saison bekommen sie oft ein brauchbares Boot für wesntlich weniger als es Sie kosten wird, selbst eines zu bauen.
    Wenn Sie aber die Erfahrung oder die Zufriedenheit haben wollen, die der Selbstbau eines Bootes mit sich bringt,  dann ist das ein guter Grund, es zu tun. Ein weiterer Grund ist der Wunsch nach einem bestimmten Bootstyp, der einzigartig und einfach nicht verfügbar ist, oder nur sehr teuer zu bekommen ist.
    Einige Leute teilen gerne ein Projekt mit ihren Kindern oder Enkeln, Bootsbau ist dafür ein guter Kandidat.
    Einige Boote sind sehr schwer zu finden, da es keine grosse Nachfrage gibt. Zum Beispiel kann es eine wirkliche Herausforderung sein, ein richtig gutes Ruderboot zu bekommen. Viele Boote können gerudert werden, und Ruderschalen für den Einsatz in ruhigen Gewässern sind verfügbar. Aber Nicht-Wettkampf-Ruderboote für bewegtes Wasser mit Wellen sind nicht üblich und die meisten käuflichen Boote haben für effizientes Rudern nicht die richtige Form oder sie sind dafür zu kurz.
  • Was will ich damit tun?
    Tagesausflüge machen, wochenlange Touren unternehmen, Fitness fördern, Spass haben, Rennen fahren, Campieren, Fischen, Rudern, Paddeln, Segeln, eine Kombination aus verschiedenen Antriebsarten …
  • Wie will ich es antreiben?
    Ruder, Paddel, Stechpaddel, Segel, Sonnenenergie, Motor …
  • Ist meine Partnerin / mein Partner mit an Bord?
    Oder ist sie/er mindestens tolerant gegenüber einem Bootsbauprojekt?
    Der Bootsbau erfordert viel Zeit, Energie und Konzentration. Er kann auch teuer sein.
    Es ist schwierig, ein Bootsprojekt an einem Partner vorbeizumogeln, der nicht auf Ihrer Seite ist. Es ist viel schöner, einen mitdenken und mitarbeiten Partner zu haben, der sich nicht vernachlässigt fühlt.
    Und wenn Sie es hinbekommn, dann wählen Se eine Partnerin oder einen Partner, der Spass am Schleifen hat … ich denke hier nur laut nach 🙂
  • Kann ich an meinem Wohnort die erforderlichen Baumaterialien bekommen?
    Materialien sind nicht überall leicht verfügbar und oft sperrig und teuer im Versand. Bootsbauzubehör und -teile sind oft überraschend teuer. Einfache Dinge wie Schleifscheiben und Einweghandschuhe passen wirklich zusammen. Die meisten Pläne werden eine Materialliste haben, die es Ihnen ermöglicht, die Preise für die Hauptteile festzulegen. Sie müssen dann Hardware, Verbindungselemente, Fertigungsmittel und Materialien hinzufügen. Hinzu kommen das Rigging, Sicherheitsmaterial und Reinigungsmittel.
    Wenn Sie Probleme haben, Materialien zu bekommen, dann müssen Sie ein Boot wählen, das Materialien verwendet, die Sie bekommen können, oder Sie können einen kompletten Bootsbausatz kaufen. Denken Sie nicht, dass ein Bausatz kein echter Bootsbau ist. Sie werden auch damit eine Menge Arbeit zu erledigen haben. Ein Bausatz erspart Ihnen die Materialbeschaffung, und oft enthält er nur die zugeschnittenen Hauptteile für den Bau Ihres Boots. Das ist alles. Der Kauf eines Bausatzes kann Sie oft auch weniger kosten, als der separate Kauf der Materialien, da die Kit-Hersteller Mengenrabatte erhalten.
  • Habe ich Werkzeuge?
    Was man für den Bau braucht, hängt sehr stark vom gewählten Projekt ab. Ein Groenlandpaddel kann man mit einer Handsäge, einem kleinen Handhobel und etwas Schleifpapier herstellen. Für den Bau eines Groenlandkajaks braucht man zusätzlich eine Bohrmaschine, verschiedene Bohrer, ein bis zwei Stechbeitel, einen Hammer, ein Messer und eine Nähnadel.
    Auch für komplexere Vorhaben können Sie mit einer sehr kleinen Auswahl an Bootsbauwerkzeugen auskommen, aber es gibt einige davon, die wichtig sind. Sie brauchen eine Tischkreissäge oder jemanden, der eine hat. Oftmals werden die Holzbretter gegen eine geringe Gebühr auf Mass zugeschnitten. Sie benötigen einen Bohrer, eine Exzenterschleifmaschine, eine Stichsäge, eine Japansäge, eine Japanraspel, ein Satz guter Stechbeitel, ein Farbkratzer mit Karbid-Klinge, ein Massband, ein Lineal, einen Winkel, ein Universalmesser, Schraubzwingen und Klemmen, Schraubzwingen und Klemmen, Schraubzwingen und Klemmen, und mehr  Schraubzwingen und Klemmen. Ein Staubsauger hilft. Eine Oberfräse oder noch besser eine Tischfräse mit Fräslift ist manchmal nützlich. Ein Blockhobel und die Mittel zum Schärfen sind wirklich nützlich. Einige Leute mögen Bandschleifmaschinen, aber ich finde sie ein wenig zu schnell für mein Können.
    Der Plan, den Sie verwenden, wird möglicherweise eine Werkzeugliste haben. Wenn Sie einen Bausatz verwenden, dann ist die Werkzeugliste für den Bootsbau kürzer.
    Generell lässt sich sagen, dass sich sehr viel mit einfachen Handwerkzeugen herstellen lässt – es ist nur mühsamer als mit einer für einen bestimmten Zweck spezialisierten Maschine und es dauert auch länger. Der Werkzeug- und Maschinenpark wächst mit der Bauzeit. Man kauft sich einfach nach und nach das dazu, was man sich wünscht, um Zeit zu sparen oder um sich die Arbeit zu erleichtern.
  • Wo will ich bauen?
    Die Antwort auf diese Frage wird oft bestimmen, welche Art und Grösse Boot Sie bauen können.
    Der Ort zum Bauen ist ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung, welches Boot gebaut werden soll. Sie benötigen einen Bereich, der warm genug ist, um Epoxidharz zu verwenden (wenn Sie planen, es zu verwenden). Er sollte sicher, gross genug und angenehm genug sein, um das Bootsbau-Erlebnis angenehm zu gestalten.
    Hier ist es wichtig, den Partner zur Seite zu haben, denn Sie werden einen ziemlich grossen Raum für eine ziemlich lange Zeit übernehmen. Eine Bootsbauerin hat ihr Kanu in ihrem Wohnzimmer gebaut. Ihr Partner war leicht verärgert und leicht amüsiert. Er war dann viel beeindruckter, als das Kanu anfing, Form anzunehmen und wie ein echtes Boot auszusehen. Er hatte einen eigenen Wohn-/Fernsehraum, also hat sie ihm nichtallzuviel von seinem Platz weggenommen.Es gibt viele Möglichkeiten, Garage, Wohnzimmer, Keller, Hinterhof, Lofts mit grossen Fenstern, Balkone, Scheunen. Wenn Sie sehr wenig Platz haben, dann können Sie ein kleines Boot oder ein Teilboot bauen, das für den Gebrauch zusammengestzt werden kann.Es ist möglich, aber nicht ideal, ein Board oder ein Boot im Freien oder im eigenen Wohnzimmer zu bauen. Bessere Voraussetzungen bietet ein Raum, der hell, trocken, im Winter beheizbar, gut belüftbar und gross genug ist, dass man ohne Verrenkungen um das ganze Produkt herumgehen kann, auch wenn es einmal seine gesamte Grösse hat. Gut erreichbare Ablagen für Material wie Holz, Epoxid, Glasgewebe, Leim und Werkzeuge erleichtern die Arbeit ungemein. Und die schnelle und einfache Erreichbarkeit kann wesentlich dazu beitragen, dass man zügig vorankommt.
    Und nicht zuletzt sollte man darauf achten, dass der Raum eine Öffnung hat die gross genug ist, dass man das fertige Produkt durch sie ins Freie schaffen kann. Ihr Boot wird sonst ein permanenter Bestandteil Ihrer Einrichtung …
  • Welche Fertigkeiten habe ich?
    Um Ihr Boot zu bauen, müssen Sie Holz schneiden, bohren, messen, klemmen, hobeln, hobeln, einschrauben. Sie  sollten sich wohl fühlen, diese Dinge selbst zu tun oder zumindest jemanden um sich herum haben, der es Ihnen  zeigen kann.
    Viele Bootspläne sind für Anfänger mit sehr wenig Erfahrung konzipiert. Die Designer werden Ihnen offen sagen, was sie von Ihnen erwarten. Bausätze erfordern weniger Geschicklichkeit, da der grösste Teil des Zuschneidens von Teilen entfällt.
    Einige Methoden des Bootsbaus wie Sticth-and_glue (Nähen und Kleben) sind für Anfänger sehr einfach und nachvollziehbar.
    Wichtiger als Ihre fachliche Qualifikation ist Ihre Bereitschaft, ein Projekt abzuschließen. Es ist keine lohnende Sache, ein Bootsbauprojekt zu starten und es nie zu beenden. Designer werden wissen, wie lange es dauert, ihr Boot zu bauen und sie werden es Ihnen sagen. Sie können dann online in Bootsbau-Foren gehen und überprüfen, wie lange echte Leute gebraucht haben, um ähnliche Boote zu bauen.
    Es hat sich erwiesen, dass auch Leute mit zu Beginn geringen handwerklichen Fähigkeiten sehr schöne Ergebnisse erzielen können. Sie brauchen dafür einfach länger als jemand, der wirklich sehr gute Kenntnisse und Fertigkeiten hat. Ausschlaggebend für den Erfolg sind vor allem die zwei nachfolgend aufgeführten Punkte:Habe ich Geduld und Ausdauer?
    Erfolgreicher Selbstbau setzt voraus, dass Sie die Geduld aufbringen, für Sie Neues gründlich zu studieren und zu verstehen. Bei der Ausführung ist dann Ausdauer gefragt. Es gibt beim Bau immer wiederkehrende Tätigkeiten, die nicht besonders attraktiv erscheinen. Es kann hart sein, an einem Boot oder Board tagelang zu schleifen. Aber wenn Sie das Ergebnis vor Augen haben – zum Beispiel einen wohlgeformten Rumpf ohne Dellen und Beulen oder eine hochglänzende Oberfläche ohne jeden Makel – dann haltene Sie so einiges aus.Bin ich bereit, Fehlschläge zu akzeptieren und zu korrigieren?
    Es ist nicht wichtig, keine Fehler zu machen – sie sind unvermeidlich. Ausschlaggebend ist, wie Sie damit umgehen. Sobald die erste Frustration überwunden und die Ursache des Fehlers gefunden ist, schmeissen Sie das fehlerhafte Teil weg und bauen es neu und besser. Das kann im Extremfall – der zum Glück nur sehr selten vorkommt – den Verlust von mehreren Wochen Arbeit oder gar des ganzen bisherigen Bauergebnisses bedeuten.
  • Wo will ich und kann ich mein Boot lagern?
    Zu Hause, geschützt/ungeschützt, in einem Hafen im Wasser, oder ausserhalb des Wassers in einer Hütte oder einem Bootsclub?
  • Wo will ich mein Boot benutzen?
    See, Fluss, Wildwasser, Meer …
    Ein Boot muss an das Gewässer angepasst sein, in dem Sie es fahren werden. Sicherheit ist vielleicht das wichtigste Kriterium bei der Auswahl eines Designs. Dies wird Ihnen bei der Entscheidung helfen, welches Boot Sie bauen sollten, indem Sie die Grösse und den Typ des Bootes definieren, das unter diesen Bedingungen sicher verwendet werden kann. Wenn Sie auf dem Meer sind, dann wollen Sie ein Boot, das gross genug ist. Wenn Ihr Einsatzgebiet sehr wellig ist oder hohe Brecher aufweist, dann brauchen Sie ein Boot mit diesen Bedingungen klar kommt. Sind Sie auf der Suche nach einem Kanu für kleine Flüsse? Wollen Sie in flachen Sümpfen auf Entenjagd gehen? Sind Sie ein Ruderer, der Geschwindigkeitsrekorde brechen will?
  • Wie komme ich mit meinem Boot da hin?
    Je nach Lagerort müssen Sie Ihr Wasserfahrzeug zum Wasser und auch wieder zurück bringen.
    Wie wollen und können Sie Ihr Boot zum Wasser bringen? Brauchen Sie dafür einen Anhänger und ein Zugfahrzeug? Das Gewicht und die Grösse des Wasserfahrzeugs sind dabei von Bedeutung. Grosse Boote brauchen zum Ein- und Auswassern möglicherweise einen Kran.
    Wollen Sie Ihr Boot am Stück haben oder zusammenfalten und in den Kofferraum legen?
    Was ist das maximale Gewicht, das Sie bequem handhaben können, wenn Sie nach einem Bootfahrttag müde sind?
  • Bei welchen Wetterbedingungen will ich es benutzen?
    Schönwetter, Regen, Sturm ..
  • Mit wem will ich mein Boot benutzen?
    Benutze ich es allein, zu zweit oder mit der Familie?
    Baue ich ein grosses Boot, dann kann das Jahre dauern. Möglicherweise sind die Kinder bei der Fertigstellung dann schon ausser Haus …
    Die Beantwortung dieser Frage wird Ihnen sagen, wie gross Ihr Boot sein muss und wie komplex Ihre Anforderungen an Takelage und Segeln, Paddeln oder Sitzen sein werden. Es wird auch helfen zu beantworten, wie gross das Boot sein darf, wenn Sie keine Hilfe haben, um es zu bewegen.
    Solo-Bootfahren macht Spass, aber Sie müssen dafür sorgen, dass Sie es sicher und einfach tun können. Einige Boote wie Kajaks oder Kanadier sind als Solo-Boote gut geeignet. Andere, wie z.B. einige Segelboote von einer gewissen Grösse sind nahezu unmöglich allein und sicher zu benutzen.
  • Gibt es jemanden, der mir beim Bau hilft?
    Es ist möglich, Boote allein ohne jegliche Hilfe zu bauen. Es ist einfacher zu bauen, wenn Sie dabie Hilfe haben.  Oftmals ist ein weiterer Satz ungelernter Hände, die gelegentlich zur Verfügung stehen, alles, was Sie brauchen. Bootsbau ist von einer Person machbar, da die meisten Teile recht leicht sind. Es ist aber schön, jemanden um sich zu haben, der Sie ermutigt oder Ihnen hilft, die macnhmal verwirrenden oder mysteriösen Anweisungen zu finden und zu verstehen. Unbelatete Dritte liefern oft auch Anregungen, auf die Sie allein neimals gekommen wären. Und nicht zuzletzt gibt es etliche Bootsbauforen im Internet, die eine Menge Informationen und gute Laune zu bieten haben.
  • Habe ich ein Traumboot oder ein Bootsideal?
    Es ist kein weiser Mensch, der seine Träume ignoriert. Sie müssen begeiystert sein von dem Boot, das Sie gewählte haben und das Sie bauen wollen. Während Sie bauen, behalten Sie die Vision vom Ergebnis in Ihrem Kopf. Das hilft Ihnen ungemein, Momente der Entmutigung und der Vorstellung, dass das alles mühsam und schrecklich ist zu überwinden und weiter zu machen.
    Rational gesehen ist das Ihnen vorschwebende Boot Ihrer Träume nicht die beste Wahl für Sie, aber es ist schwer, einen Traum zu ignorieren!
  • Wieviel Zeit will und kann ich investieren?
    Der Bau eines Boards oder eines Boots erfordert Zeit – viel Zeit. Die fehlt Ihnen dann möglicherweise für die Familie oder um surfen, paddeln oder segeln zu gehen. Zeitliche Angaben von Bausatzverkäufern oder Buchautoren für den Bauaufwand sind mit Vorsicht zu geniessen. Sie wollen keine Kunden abschrecken, sondern ihre Produkte verkaufen. Wenn Sie den angegebenen Aufwand mit 1,5 oder 2 multiplizieren, dann sind Sie eher auf der sicheren Seite. Eigene Modifikationen oder sehr hohe Ansprüche an die Qualität des Ergebnisses können Ihren Bauaufwand aber auch problemlos verdoppeln oder verdreifachen.
  • Wieviel will und kann ich für den jährlichen Unterhalt aufwenden?
    Wenn Sie Ihr Wasserfahrzeug selbst gebaut haben, dann können Sie das allermeiste daran auch selber reparieren, was die Unterhaltskosten für die Arbeit erheblich reduziert. Das gilt aber nicht für das für den Unterhalt benötigte Material. Ihr Wasserfahrzeug kann zudem Bestandteile haben (z.B. Segel, Beschläge, Motorantrieb usw.), die Unterhaltsaufwand durch Dritte zur Folge haben können.
  • Brauche ich eine Zulassung?
    Bestimmte Wasserfahrzeuge müssen amtlich abgenommen, zugelassen und mit einer Immatrikulation versehen sein. Ob das der Fall ist, hängt vom Bootstyp, vom Antrieb und vom Einsatzort oder vom Einsatzgebiet ab. Ermtteln Sie die entsprechenden Prüfungskosten und die allenfalls anfallenden jährlichen Gebühren.
    In der Schweiz benötigen einige Bootstypen (z.B. Kajaks und Kanus sowie Sport-Ruderboote mit Rollsitz) keine Zulassung.
  • Verwende ich ein eigenes Design?
    Wenn Sie selbst bauen, dann möchten Sie natürlich Ihr ganz spezielles und persönliches Boot haben. Die Versuchung ist deshalb gross, Ihr Boot selbst zu entwerfen.
    Mein kurzer und eindringlicher Rat dazu: Tun Sie es nicht!
    Ein wirklich gutes Design basiert auf Ingenieurwissen und ästhetischem Empfinden. Die Kombination beider Eigenschaften in einer Person ist recht selten. Aber auch der Weg vom Design (der Form) zum Bauplan ist lang, sehr zeitraubend und er erfordert gute Kenntnisse beim Ausarbeiten einer Konstruktion und deren Festigkeit und Sicherheit. Wenn Sie nicht über jahrelange Erfahrung und ein gerütteltes Mass an Wissen auf dem Gebiet des Bootbaus und des Bootdesigns verfügen, dann ist das Ergebnis in den meisten Fällen zwar ein  schwimmendes Objekt, aber nur sehr selten ein wirklich gutes Boot. Wenn Sie aber trotzdem und auf jeden Fall einen eigenen Entwurf realisieren wollen, dann beauftragen Sie einen guten Bootsdesigner oder Bootbauarchitekten damit, das für Sie zu tun. Die Kosten dafür sind wirklich gut angelegtes Geld. Ideal ist es, wenn er für Sie auch die Baupläne, eine Materialliste und einen groben Bauablaufplan erstellt.
    Mit diesem Vorgehen ersparen Sie sich endlose Stunden an Arbeit beim Studieren von oft nur sehr schwer verständlichen Designanleitungen und Bootsarchitektur-Handbüchern, beim Zeichnen von Hand oder am Computer. Und nicht zuletzt auch das hinausgeschmissene Geld für ein Produkt, das am Ende doch nicht so funktioniert, wie Sie es sich eigentlich vorgestellt haben.
    Sie können aber auch einen Ihren Vorstellungen nahe kommenden Plan oder Bausatz so verändern, dass Sie ganz genau das bekommen, was Sie haben wollen. Das setzt allerdings voraus, dass Sie sich vorher eine gewisse Erfahrung im Bootbau angeeignet haben und wirklich ganz genau wissen, was Sie da tun. Jedes ordentliche Boot wurde von seinem Designer für einen bestimmten Einsatzzweck optimiert. Ein Boot ist ein dreidimensionaler Körper. Wenn Sie irgend etwas daran verändern, sei es die Bauweise, die Abmessungen, die Grösse, das Material oder die Struktur, dann kann das die Sicherheit, die Fahreigenschaften und die Festigkeit Ihres Boots soweit beeinträchtigen, dass es im Gebrauch gefährlich oder gar völlig unbrauchbar wird.
  • Plan oder Bausatz?
    Sie können nahezu jedes Boot allein aufgrund von Plänen bauen. Viele davon gibt es im Massstab 1:1 für die wichtigsten Teile.
    Bei einem grossen Bauvorhaben empfiehlt es sich, den Plan von einem Bootsdesigner mit einem guten Ruf zu kaufen. Solche Pläne enthalten eine vollständige Materialliste und einen Baubeschrieb. Gute Baupläne haben Ihren Preis. Ihre Erstellung ist enorm arbeitsaufwendig, und wenn sie gut gemacht sind, jeden einzelnen Franken wert.
    Planbauer sollten aber daran denken, dass die Beschaffung bestimmter vom Designer vorgesehener Materialien (z.B. 3 mm dickes Bootsbausperrholz) sich als Problem oder gar als unmöglich erweisen kann.Es gibt auch viele kostenlose Bootspläne. Oft, aber nicht immer sind solche Pläne nicht vollständig, oder die Anweisungen sind sehr schlecht, oder das Bootsmodell ist veraltet und wurde verbessert. Die qualitative Bandbreite ist gross – vom Schrott bis zu sehr guten Plänen ist alles dabei.
    Es ist Ihr Entscheid, worauf Sie sich einlassen und womit Sie arbeiten wollen.Bausätze beschleunigen die Bauzeit, und sie verbessern – wenn sie wirklich gut sind – die Qualität. Sie bekommen die entweder als vollständigen Bausatz mit sämtlichen Teilen und Materialien und einer detaillierten Bauanleitung oder als Teilbausätze, z.B. nur mit den zum Bau erforderlichen  Spanten.Teilbausätze (sogenannte Wood Only Kits) enthalten nur die wichtigsten Bauteile wie z.B. Spanten oder Planken in fertig zugeschnittener Form. Solche Teile – Planbauer übertragen sie von den Plänen auf das Holz und sägen sie dann selber zu – werden heute in der Regel sehr genau mit computergesteuerten Fräsmaschinen hergestellt. Sie ersparen sich mit solchen Teilbausätzen eine Menge von sehr anspruchsvoller und zeitraubender Arbeit. Wegen der sehr effizienten industriellen Fertigung in grossen Stückzahlen kosten sie meist auch nicht wesentlich mehr als das reine Material für diese Teile.
    In allen Bausätzen fehlen in der Regel nur die Werkzeuge, das Verbrauchsmaterial für den Bau und die Lacke zur Fertigstellung.
    Abhängig vom Lieferland kann es aufgrund von internationalen Versandbeschränkungen für Gefahrgut auch sein, dass Flüssigkeiten wie Harz und Härter im Lieferumfang nicht enthalten sind.
  • Zahlt sich das für mich aus?
    Falls Sie Ihr Erzeugnis einmal verkaufen möchten, dann sollten Sie sich in Bezug auf den möglichen Ertrag keine Illusionen machen: Viele Käufer sind zwar bereit, für Boote von bekannten Werften sehr viel Geld auszugeben – für selbst gebaute Wasserfahrzeuge trifft das aber kaum zu. Wenn Sie viel Glück haben, kann es sein, dass Sie bei einem Verkauf – aber nur dann, wenn Sie wirklich absolut professionell und mit sehr hoher Qualität gebaut haben – wenigstens Ihre Investitionen in das Material zurückbekommen.Aber eines sollten Sie dabei nie vergessen:

    Die qualitativ hochwertige Zeit, die Sie mit dem Bau Ihres eigenen Wasserfahrzeugs verbringen, ist als Erfahrung absolut einmalig, äusserst befriedigend und unbezahlbar!

 

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