Bauweise

Letzte Nachführung am 28 September 2017 um 15:28 Uhr
Abhängig von den Wünschen, dem zur Verfügung stehenden Budget und der Zeit, die für den Bau aufgewendet werden kann, stehen verschiedene Bauweisen zur Wahl

  • Bootskörper aus verleimtem Sperrholz
  • Bootskörper mit Textilbespannung
  • Bootskörper aus verleimten Leisten
  • Hybrid – Bootskörper gebaut mit unterschiedlichen Techniken
  • Wood and Canvas (historisch interessant)
  • Planken auf Rippen und Längsträgern

Sperrholz

Stitch-and-Glue

Die Stitch-and-Glue Technik (Nähen und Kleben) ist die einfachste und schnellste Art, ein Boot zu bauen. Die exakt zugeschnittenen Bauteile werden mit Draht zusammengebunden und an den Stossfugen mit Epoxid verklebt. Der so entstandene Bootskörper wird nach dem Entfernen der Bindedrähte mit einer oder mehreren Schichten mit Epoxid getränktem Glasgewebe beschichtet. Diese Bauweise ergibt ein leichtes und sehr robustes Boot.
Die Verformbarkeit von Sperrholz ist begrenzt. Sie erlaubt nur den Bau von Booten mit Knickspant (harte Kanten an den Plattenstössen). Ungeachtet dessen kreieren gute Designer auch mit diesem Material hochelegante und schnelle Boote.

Anbieter
Bausätze und Pläne für Stitch and Glue Boote bekommen Sie bei CLC Boats USA, bei Fyne Boat Kits UK, bei Berger Boote Deutschland, bei Angus Rowboats USA, bei Guillemot Kayaks USA und bei zahlreichen anderen Anbietern.
Die Bootsbaugarage von Axel Schmid Schweiz bietet einen Bausatz für das von Axel selbst entwickelte vielseitige Segelkanu Artemis an.

Lapstrake

Die Lapstrake Technik (Plankenbauweise mit an den Stössen überlappenden Planken) ist in der Fertigung ähnlich wie die Stitch-and-Glue Technik.
Sie ermöglicht den Bau von Booten, deren Plankenstruktur sichtbar ist.

Anbieter
Bausätze für Lapstrake Boote (ein Patent der Firma CLC Boats USA) bekommen Sie bei CLC Boats USA, bei Fyne Boat Kits UK und bei Berger Boote Deutschland.

Textilbespannt

Der Bootskörper besteht aus einer Kombination von miteinander verbundenen Rahmen oder Rippen und Leisten (dem Skelett), das mit einem wasserdicht beschichteten Gewebe bespannt wird. Diese Bauart wird sowohl für starre Boote als auch für Faltboote verwendet. Eine Ausnahme davon sind faltbare Hybrid-Boote, deren Form durch aufblasbare Luftkammern und manchmal  durch zusätzliche Stützstreben (Kiel, Deck und Rumpf) im Innern definiert ist. Solche Boote haben weder Rahmen noch Rippen.

Das Skelett kann mit unterschiedlichen Verfahren und unterschiedlichen Eigenschaften gebaut werden:

  • Traditionell – Low Tech – Bild: West Groenland Kayak
    Die traditionelle Bauweise (z.B. West Groenland) verwendet zwei gebogene Bretter als Basis, in die mit Dampf gebogene Rippen von unten in Zapflöcher in den Brettern gesteckt werden. Die Enden der Bretter sind vorne und hinten mit je einem Stevenbrett verbunden. Der Brettabstand wird mit horizontal in Zapflöcher eingefügten Leisten fixiert. Eine längs verlaufende Kielleiste und zwei ebenfalls in der Längsrichtung verlaufende seitliche Leisten (Chines) komplettieren das Skelett. Das Gerippe wird mit einfachen Werkzeugen (Handbohrer, Stechbeitel, Handsäge und Messer) und ohne Nägel, Schrauben oder Leim zusammengefügt. Es wird nur durch Holzdübel und durch Zusammenbinden der Teile mit künstlicher Sehne zusammengehalten.
  • Fuselage Frame – Ohne Bild
    Diese Bauweise verwendet anstelle von Rippen aus Bootsbausperrholz oder anderen geeigneten Materialien zugesägte Spanten. Diese geben dem Boot die Form, und sie ermöglichen den einfachen und schnellen Bau eines Skeletts ohne die Notwendigkeit, Rippen biegen zu müssen. Die längs verlaufenden Leisten für Kiel und Stringer kommen in Ausschnitte in den Spanten zu liegen und sie laufen an je einem Stevenbrett an Bug und Heck zusammen. Zur Verbindung der Einzelteile werden alle möglichen Verfahren angewendet, sei es nun Binden, Schrauben oder Kleben.
  • Geodesic Superleicht – High Tech – Bild: Nimrod 12
    Sehr dünne Längsleisten (z.B. aus Kiefer) werden auf einer Bauform aufgespannt und an den Enden mit Epoxy mit einem Stevenbrett verklebt. Die ebenfalls sehr dünnen Rippen (z.B. aus Esche) werden mit Dampf erhitzt und in die von den Längsleisten vorgegebene Form gebogen. Nach dem vollständigen Trocknen der Rippen werden diese mit Epoxy mit den Längsleisten verleimt. Das Skelett wird mit kreuzweise verlaufenden Kevlarfäden bespannt. Deren Enden werden am oberen Rand des Bootskörpers festgeklebt. Zusätzliche Stabilität erhält der Bootskörper durch aussen aufgeschraubte Scheuerleisten und eine ebefalls aussen aufgeschraubte Steven- und Kielleiste. Diese Teile werden aber erst nach nach dem erfolgten Bespannen mit durch Hitze schrumpfbarem Dacron-Gewebe angebracht.
  • Faltboot – Bild: Faltkajak
    Die Konstruktion und der Bau eines guten Faltbootskeletts ist anspruchsvoll. Es besteht aus Quer-Spanten, je einem Steven vorne und hinten und aus Längsträgern, die diese Teile verbinden. Es kommen nur lösbare Verbindungen zur Anwendung. Essentiell für ein gutes Faltboot ist die Steifigkeit des Skeletts. Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung wird ein Faltboot nicht durch seine Stoffbespannung zusammengehalten. Alle Teile des Skelett müssen so gebaut und miteinander verbunden sein, dass sie sowohl Zug- als auch Druckkräfte ohne grösse Verformung aufnehmen können. Ausserdem muss das Skelett über eine kräftige Spannvorrichtung verfügen, die das in seine Bespannung eingefügte Skelett so dehnen kann, dass die Bespannung faltenfrei aufliegt.

Die heute gebräuchlichsten Bespannungsmaterialien sind Nylon, Dacron (Polyester), Polyvinyl, Hypalon oder mit PVC beschichtete Planenstoffe. Als Beschichtung für nicht wasserdichte Gewebe wird oft elastisch aushärtendes Polyurethan verwendet.

Abhängig von Ihren Wünschen und Vorlieben (ultraleicht, konventionell,  traditionell oder zerlegbar) lassen sich mit dieser Technik Boote mit extrem unterschiedlichen Formen und Eigenschaften bauen.

Anbieter
Bausätze und Pläne für textilbespannte Boote bekommen Sie bei Kudzu Craft USA, Geodesic AiroLITE Design USA und einigen anderen Anbietern.
Zahlreiche kostenlose Baupläne und Bauanleitungen für mit PVC-Plane bespannte Kajaks und Faltkajaks gibt es von Thomas Yost.
Des weiteren gibt es einige Bücher zu diesem Thema (vor allem in Englisch, aber kaum etwas in Deutsch).

Leisten

Die aufwendigste, aber im Ergebnis wohl die schönste Art, ein Boot zu bauen. Holzleisten mit den Abmessungen 3-6 x 20 Millimeter werden auf einer vorgefertigten Form an den Schmalseiten miteinander verleimt. Der Bootskörper wird geschliffen und beidseitig mit einer oder mehreren Schichten von mit Epoxid getränktem Glasgewebe beschichtet. Für Boote mit geschlossenem Deck werden der Rumpf und das Deck gesondert angefertigt und am Schluss miteinander verbunden.

Da sich dünne und schmale Leisten gut verformen lassen, ermöglicht die Leistenbauweise dem erfahrenen Bootsbauer den Bau von extrem eleganten, wunderschönen und  damit auch immer einzigartigen Booten.

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Bausätze und Pläne für Leistenbeplankte Boote bekommen Sie bei CLC Boats USA, bei Fyne Boat Kits UK, bei Berger Boote Deutschland und zahlreichen anderen Anbietern. Des weiteren gibt es etliche Bücher zu diesem Thema, zum Beispiel von Guillemot Kayaks USA.

Hybrid

Der Bootskörper wird mit unterschiedlichen Bauweisen gefertigt. So kann zum Beispiel ein Sperrholzrumpf mit einem Leistendeck versehen werden. Oder das Deck eines Trainingsruderboots wird aus Gewichtsgründen mit Dacron-Gewebe bespannt.

Das hier gezeigte Trainingsruderboot Kingfisher wurde von Todd Damon in den USA gebaut. Mehr Photos dieses perfekt gebauten Boots sind hier zu finden.

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Bausätze und Pläne für Hybrid Boote bekommen Sie bei CLC Boats USA, bei Fyne Boat Kits UK, bei Berger Boote Deutschland, bei Wooden Boat Store USA und zahlreichen anderen Anbietern. Des weiteren gibt es etliche Bücher zu diesem Thema.

Wood and Canvas

Dieses Bauverfahren erfordert sehr gute handwerkliche Fertigkeiten, eine grosse Anfangsinvestiton und auch sehr viel Zeit. Aus diesen Gründen kann ich Ihnen einen Wood and Canvas Bau nicht empfehlen, es sei denn, Sie wollen aus historischem Interesse ein solches Boot bauen oder mehrere gleiche Boote anfertigen und Sie sind zudem bereit, dafür sehr viel Zeit und auch beträchliche Mittel zu investieren.

Wood and Canvas ist eine recht alte (und heute sicher veraltete) Bautechnik für den Bau von offenen Kanadiern. Sie hat als Nachfolgerin der ursprünglichen Bautechnik mit Birkenrinde und Birkenteer ihre grosse Zeit zur Zeit des fortgeschrittenen Fellhandels auf den grossen Seen in Nordamerika und Kanada gehabt. Mit dieser Technik liessen sich mit den zu dieser Zeit vorhandenen Materialien Boote in Serie, effizient (ohne die langwierige Suche nach geeigneten grossen Rindenstücken) und relativ schnell (schneller als mit Birkenrinde) herstellen. Diese Bautechnik erfordert eine sehr stabile, komplett mit Stahlblech  überzogene Positivform. Der Bau einer guten Form ist mit einem Bauaufwand von um die 400 Stunden verbunden. Die Arbeit ist handwerklich anspruchsvoll, aufwendig und auch teuer.

Beim Bau werden als Erstes alle vorher genau zugeschnittenen Rippen mit heissem Dampf geschmeidig gemacht, auf die Form gebogen und auf dieser festgespannt. Diese Rippen haben zueinander einen Abstand von 10 – 15 cm. Bei einer empfehlenswerten Bootslänge von um die 5 Metern kommt da schon Einiges zusammen. Das Holz für die Rippen (z.B. Weisszeder) muss ungetrocknet, astfrei und gut biegbar sein. Die Beschaffung von solchem “grünem” Holz ist heutzutage sehr schwierig und auch teuer geworden. Nahezu alles Schnittholz wird heute, um die Zeit bis zur nachfolgenden Verarbeitung zu verkürzen, nach dem Zuschneiden sofort ofengetrocknet. Die danach verbleibende sehr geringe Feuchte im Holz macht das Biegen auch nach vorherigem tagelangem Wässern sehr mühsam oder gar unmöglich.

Nach dem vollständigen Trocknen der auf die Form gebogenen Rippen wird die Rumpfbeplankung aufgebracht. Sie besteht aus 8 – 10 cm breiten Planken, welche aneinandergefügt und mit Messingnägeln mit den Rippen vernagelt werden. Diese Planken sind so zugeschnitten und gehobelt, dass sie der gebogenen Form des Bootes folgen und soweit irgend möglich lückenlos aneinander passen. Das auf der Form befindliche Stahlblech biegt die Spitzen der durch die Planken und die Rippen getriebenen etwas zu langen Nägel um. Erst das sorgt für eine sichere Verbindung von Planken und Rippen. In einem nächsten, handwerklich ebenfalls recht anspruchsvollen Schritt werden die Plankenenden so zusammengefügt, dass Sie an Bug und Heck einen schön geschwungenen geschlossenen Abschluss bilden.

Dann wird das Boot aussen mit Baumwollstoff bespannt. Dieser Stoff muss mit sehr grosser Kraft so gespannt werden, dass er nirgendwo Falten wirft und dass er auch auf der gesamten Fläche eine gewisse Spannung hat und beibehält. Dieser Vorgang erfordert eine sehr stabile Form, ebensolche Spannvorrichtungen in der Werkstatt und mehrere Helfer. Nur so ist sichergestellt, dass das fertige Boot während längerer Zeit ansehnlich und auch dicht bleibt. Die Stoffbespannung wird anschliessend mit einem oder mehreren Anstrichen mit irgend einer ölhaltigen Farbe wasserdicht gemacht.

Die so gefertigten Boote sind relativ schwer. Ihr Inneres kann auch eingedrungenes Wasser aufsaugen, womit das Boot noch schwerer wird. Und damit es nicht schnell verrottet, sollte es nach jedem Gebrauch sorgfältig und vollständig getrocknet werden.

Planken auf Rippen und Längsträgern

Die konventionelle Art, ein Boot oder aber auch ein grosses Schiff zu bauen. Mit dieser Bautechnik habe ich bisher noch keine eigene Erfahrung.
Der Bootskörper besteht aus Planken (Festholz oder Sperrholz,) die auf einem Skelett aus quer verlaufenden Rippen und längs verlaufenden Trägern befestigt sind.  Die Planken können auf Stoss  (die Stossfugen werden mit Hanf und Teer oder irgend einem Kunststoff abgedichtet) oder überlappend (Klinkerbauweise) angebracht werden. Das Verfahren erfordert gute bis sehr handwerkliche Fertigkeiten, beträchtliche Investitionen in Maschinen, Werkzeuge und Material und recht viel Zeit.
Bücher und Baupläne sind im Internet zu finden. Einige davon, die bereits in meinem Bücherregal stehen, finden Sie hier.

Sagen Sie mir, was Sie haben wollen. Ich helfe Ihnen, es zu bauen!

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